Centaur 2006: Songwriting für The Origin of Sin
2006 war für mich ein Jahr voller musikalischer Experimente – und eines davon führte mich in einen Proberaum-Keller in Duisburg, wo die Band Centaur an ihrem kommenden Album arbeitete. Ursprünglich war ich als Sänger für das Projekt vorgesehen, das später 2009 unter dem Titel The Origin of Sin erschien.
Beim ersten Treffen spielten mir die Jungs ihre bereits aufgenommenen instrumentalen Skizzen vor. Meine Aufgabe: Gesangsmelodien entwickeln, Texte schreiben, dem Ganzen eine Stimme geben. Ich durfte ihr kleines Studio frei nutzen – allein, ungestört, mit viel Raum für Kreativität. Für mich war es der erste ernsthafte Versuch im sogenannten Top-Lining, also dem Komponieren von Vocal-Melodien auf fertiges Instrumentalmaterial. Eine Herausforderung, aber eine, die mich sofort gepackt hat.
Nach einigen Sessions reiste ich erneut aus Hamburg an, um meine Ideen vorzuspielen. Die Reaktionen waren… gemischt. Einerseits staunte man über meine Stimme, andererseits stießen manche Melodien auf Skepsis. Trotzdem hatte ich am Ende für den Großteil der Songs vollständige Gesangspassagen aufgenommen – ein kleines persönliches Erfolgserlebnis.
Dann wurde es still. Wochenlang hörte ich nichts, wurde vertröstet, hingehalten. Schließlich erfuhr ich zufällig, dass man sich längst für einen anderen Sänger entschieden hatte. Besonders bitter: Einige meiner Gesangslinien wurden 1:1 übernommen, ohne dass ich dafür Credits erhielt.
Als eine Art „Ausgleich“ durfte ich das Artwork gestalten – Cover, CD, Booklet, sogar das Webdesign. Dafür wurde ich immerhin offiziell genannt. Und trotz allem: Diese Arbeit hat mir Freude gemacht.
Rückblickend war die Erfahrung eine Mischung aus Euphorie, Ernüchterung und einer wichtigen Lektion in Sachen Professionalität. Ich bin stolz darauf, dass Teile meiner Arbeit auf dem Album gelandet sind – auch wenn niemand je gefragt hat, ob das für mich okay ist.
Heute stehen drei eingeschweißte Exemplare von The Origin of Sin bei mir im Regal. Manchmal frage ich mich, ob ich sie verkaufen oder verschenken sollte. Vielleicht bleiben sie aber einfach als Erinnerung an ein Kapitel, das mich musikalisch weitergebracht hat, als ich damals ahnte.

Hör dir das Centaur Album THE ORIGIN OF SIN an.